Wenn sich Ende September Gitarristen, Bassisten, Hersteller, Entwickler und Musikbegeisterte aus ganz Europa in Mannheim treffen, dann ist klar: Die Guitar Summit hat wieder ihre Tore geöffnet. In den vergangenen Jahren hat sich die Veranstaltung längst als Europas wichtigste Messe für Gitarristen und Bassisten etabliert. Wo früher klassische Musikmessen dominierten, steht heute das direkte Erlebnis im Mittelpunkt: Instrumente anfassen, Verstärker ausprobieren, mit Entwicklern sprechen und Weltklasse-Musiker hautnah erleben.
Auch 2025 bot die Guitar Summit wieder alles, was das Musikerherz höherschlagen lässt. Über mehrere Hallen verteilt präsentierten unzählige Hersteller ihre Neuheiten – von Boutique-Gitarrenbauern über große Traditionsmarken bis hin zu innovativen Software- und Amp-Herstellern. Ergänzt wurde das Programm durch zahlreiche Workshops mit internationalen Top-Musikern, Live-Demonstrationen und unzählige Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Für mich verlief die Messe dieses Jahr allerdings etwas anders als gewohnt. Während ich in den vergangenen Jahren möglichst viele Gitarren, Amps und Effekte getestet habe, stand diesmal zunächst das Geschäftliche im Vordergrund. Gespräche mit Herstellern, bestehende Kontakte pflegen und neue Bekanntschaften schließen – dadurch blieb am Freitag zwar weniger Zeit zum ausführlichen Testen, dafür entstanden einige Begegnungen, die mindestens genauso wertvoll waren wie jedes neue Stück Equipment.
Der AMPX von Thomas Blug – Das erste Produkt seit dem Kemper, das mich wirklich reizt
Einer meiner ersten Stopps führte mich zu Thomas Blug. Der Ausnahmegitarrist gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten deutschen Gitarristen und hat sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Entwickler innovativer Produkte einen hervorragenden Namen gemacht.
Besonders gespannt war ich auf seinen neuen Verstärker AMPX. Seit dem Kemper hat mich kaum ein neues Verstärkerkonzept wirklich nachhaltig begeistert. Natürlich erscheinen regelmäßig neue Modeler und Profiler, doch häufig handelt es sich eher um Evolution statt Revolution. Beim AMPX hatte ich jedoch vom ersten Moment an das Gefühl, dass hier etwas wirklich Spannendes entsteht.
Thomas erklärte das Konzept mit großer Leidenschaft, ohne dabei in typische Marketingfloskeln zu verfallen. Genau das macht ihn so sympathisch. Man merkt sofort, dass hier ein Musiker entwickelt, der die Anforderungen moderner Gitarristen aus eigener Erfahrung kennt. Sollte alles nach Plan laufen, wird der AMPX Ende des Jahres fertiggestellt und 2026 erhältlich sein. Für mich gehört er schon jetzt zu den interessantesten Produkten der kommenden Monate.
Tosin Abasi – Technik auf Weltklasseniveau und trotzdem völlig bodenständig
Einer der absoluten Höhepunkte der Guitar Summit war für mich der Workshop von Tosin Abasi. Wer Animals As Leaders kennt, weiß, warum er heute als einer der innovativsten Gitarristen unserer Zeit gilt. Zwar erkennt man Einflüsse von John Petrucci, doch mit seiner Thump-Technik, den achtsaitigen Gitarren und seinem außergewöhnlichen Rhythmusgefühl hat Abasi längst einen völlig eigenständigen Stil entwickelt.
Noch beeindruckender als sein virtuoses Spiel war jedoch seine Persönlichkeit. Obwohl er inzwischen selbst erfolgreiche Produkte entwickelt und verkauft, stand während seines Workshops nie das Equipment im Mittelpunkt. Stattdessen sprach er offen darüber, dass Material häufig überschätzt wird und die Psychoakustik beim Kauf neuer Ausrüstung oft eine wesentlich größere Rolle spielt, als viele Musiker glauben. Diese Ehrlichkeit fand ich bemerkenswert. Gerade jemand, der eigene Produkte vertreibt, hätte problemlos eine Werbeveranstaltung daraus machen können. Stattdessen lautete seine Botschaft: Konzentriert euch auf euer Spiel. Genau diese Einstellung macht ihn nicht nur zu einem außergewöhnlichen Musiker, sondern auch zu einem ausgesprochen sympathischen Menschen. Und ganz nebenbei wirkt er, als könnte er jederzeit bei einem Bodybuilding-Wettkampf antreten.
Gespräche mit echten Legenden
Genau solche Begegnungen machen für mich den besonderen Reiz der Guitar Summit aus. Zwischen den Workshops ergeben sich immer wieder Gespräche mit Menschen, die die Gitarrenwelt über Jahrzehnte geprägt haben. So hatte ich die Gelegenheit, mich rund fünfzehn Minuten mit Rob Turner, dem Gründer von EMG Pickups, zu unterhalten.
Trotz seines legendären Status begegnete er mir vollkommen entspannt und ohne jegliche Starallüren. Er nahm sich Zeit für das Gespräch, sprach offen über seine Arbeit und vermittelte den Eindruck eines Menschen, der seine Leidenschaft für Musik bis heute nicht verloren hat. Ganz ähnlich war auch die Begegnung mit Hap Kuffner, dem ehemaligen Vizepräsidenten von Steinberger. Beide überzeugten durch ihre Bodenständigkeit und Authentizität – Eigenschaften, die man bei Persönlichkeiten ihres Formats besonders zu schätzen weiß.
Sandberg und Markbass – Meine Endorsement-Partner Seite an Seite
Natürlich durfte auch ein Besuch bei meinen Endorsement-Partnern Sandberg und Markbass nicht fehlen. Beim Rundgang musste ich allerdings schmunzeln, denn beide Messestände befanden sich direkt nebeneinander. Ob das nun reiner Zufall oder vielleicht doch ein kleines Qualitätsmerkmal war, lasse ich einmal offen. Jedenfalls nutzte ich die Gelegenheit, verschiedene Instrumente und Verstärker anzuspielen, interessante Gespräche zu führen und mich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. Für mich machen genau diese persönlichen Kontakte den eigentlichen Wert eines Endorsements aus.
Alex Skolnick – Jazz, Metal und ein streikendes Pedalboard
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Workshops. Den Auftakt machte Alex Skolnick, bei dem gleich zu Beginn deutlich wurde, dass selbst absolute Weltklassemusiker nicht vor technischen Problemen gefeit sind. Sein Pedalboard wollte zunächst nicht so funktionieren wie geplant – ein sympathischer Moment, der einmal mehr zeigt, dass Technik eben Technik bleibt.
Nachdem das Problem gelöst war, widmete sich Skolnick ausführlich seinem Equipment und seinem Sound. Für echte Soundtüftler war dieser Teil sicherlich hochinteressant. Mich fasziniert allerdings meist weniger, womit jemand spielt, sondern vielmehr, wie jemand spielt. Genau hier zeigte Skolnick eindrucksvoll seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Viele kennen ihn ausschließlich als Gitarristen von Testament. Sein Jazz-Trio genießt jedoch seit Jahren einen hervorragenden Ruf, was seine beeindruckende Looper-Performance eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Frank Bello – Mehr spielen, weniger diskutieren
Direkt im Anschluss folgte einer meiner persönlichen Favoriten der gesamten Messe: Frank Bello. Mit seiner lockeren, humorvollen Art erinnerte er mich sofort an Phil X, dessen Workshop bereits im vergangenen Jahr zu meinen Highlights gehörte. Bello schaffte es mühelos, das Publikum zu unterhalten und gleichzeitig eine klare Botschaft zu vermitteln.
Seine Philosophie ist denkbar einfach: Statt ständig über Pickups, Kabel oder Verstärker zu diskutieren, sollte man lieber mehr Zeit mit dem Instrument verbringen. Genau diese Einstellung teile ich uneingeschränkt. Natürlich macht gutes Equipment Spaß, doch letztlich entscheidet immer der Musiker und nicht das Material. Nach dem Workshop ergab sich noch ein kurzes persönliches Gespräch. Mein Eindruck war eindeutig: Frank Bello ist ein Mensch, mit dem man ohne Weiteres einen langen Abend verbringen könnte – sympathisch, herzlich und absolut authentisch.
Gitarren, die im Gedächtnis bleiben
Natürlich durfte auch das Testen neuer Instrumente nicht fehlen. Die Schecter Wylde Audio beeindruckte sofort mit ihrer kompromisslosen Metal-Optik. Wer Zakk Wylde kennt, weiß allerdings auch, dass seine Instrumente entsprechend dimensioniert sind. Der Hals ist außergewöhnlich kräftig und wirkt im direkten Vergleich selbst gegenüber einer Les Paul oder Telecaster enorm massiv. Für Fans dieses Halsprofils ist die Gitarre jedoch ein echtes Arbeitsgerät.
Ein besonderes Erlebnis war außerdem der Blindtest einer Schecter USA Sunset Extreme Exotic. Ohne den Preis oder das Modell zu kennen, überzeugte mich das Instrument bereits nach wenigen Minuten mit einer hervorragenden Bespielbarkeit, perfekten Bendings und einem ausgezeichneten Vibrato. Aufgrund des Spielgefühls hätte ich die Gitarre auf etwa 2.500 Euro geschätzt. Umso größer war die Überraschung, als sich herausstellte, dass sie tatsächlich rund 6.000 Euro kostet.
Auch die Peavey Vandenberg weckte viele Erinnerungen, denn sie war damals meine erste hochwertige Gitarre. Besonders interessant war der direkte Vergleich zwischen der mattschwarzen und der lackierten Version. Obwohl beide Modelle technisch identisch und preislich gleich sind, empfand ich die Unterschiede beim Spielen als erstaunlich deutlich. Während die matte Variante einen soliden Eindruck hinterließ, wirkte die lackierte Version deutlich lebendiger und hochwertiger. Hätte man mich nach dem Preis gefragt, hätte ich auf einen Unterschied von mindestens 1.000 Euro getippt.
Fazit
Die Guitar Summit 2025 hat erneut eindrucksvoll bewiesen, warum sie heute zu den bedeutendsten Veranstaltungen der europäischen Gitarrenszene gehört. Längst geht es nicht mehr ausschließlich um neue Gitarren, Verstärker oder Effektgeräte. Vielmehr lebt die Messe von den persönlichen Begegnungen, inspirierenden Gesprächen mit Entwicklern und Musikern sowie von Workshops auf höchstem Niveau. Genau diese Mischung sorgt dafür, dass Besucher jedes Jahr mit neuen Ideen, frischen Eindrücken und zusätzlicher Motivation nach Hause fahren.
Besonders beeindruckt haben mich in diesem Jahr die Offenheit und Bodenständigkeit vieler internationaler Musiker. Ob Thomas Blug, Tosin Abasi, Rob Turner, Hap Kuffner, Alex Skolnick oder Frank Bello – alle nahmen sich Zeit für Gespräche und begegneten den Besuchern auf Augenhöhe. Genau das macht den besonderen Charakter der Guitar Summit aus.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch. Der Besuchereinlass war insbesondere zu Stoßzeiten deutlich überlastet. Mit zusätzlichen Eingängen oder einer optimierten Besucherführung ließe sich dieses Problem sicherlich entschärfen – insbesondere bei schlechtem Wetter dürfte die Situation schnell unangenehm werden.
Unterm Strich bleibt jedoch ein eindeutiges Fazit: Die Guitar Summit gehört für Gitarristen und Bassisten zu den absoluten Pflichtterminen im Kalender. Kaum eine andere Veranstaltung verbindet Innovation, Leidenschaft, persönliche Begegnungen und musikalische Inspiration auf diesem Niveau. Ich freue mich schon jetzt auf die Guitar Summit 2026 und bin gespannt, welche Neuheiten, Ideen und interessanten Menschen dort auf mich warten werden.